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19.07.2014 - Reutlinger General-Anzeiger

Himmlische Turbulenzen

HINTER DEN KULISSEN - Naturtheater Reutlingen

 

Eine gute Planung ist die halbe Miete, sagt man. Und so wird natürlich auch jede Schauspiel-Saison gut vorbereitet. Im Naturtheater Reutlingen nimmt man das ernst und beginnt mit der Vorbereitung der neuen Freilichttheatersaison noch im alten Jahr. Bereits im Winter beginnen die Proben im Vereinsheim, das Bühnenbild und die Kostüme werden am grünen Tisch entworfen und zumindest das Schneiderei-Team kann loslegen. Das Bühnenbauteam muss sich noch etwas gedulden, bis es die Temperaturen erlauben, den ganzen (Sams)Tag draußen im Wasenwald zu bauen und zu werkeln.

 

Mit der Premiere ändert sich alles: Endlich kann das Ensemble dem Publikum ein neues Stück präsentieren. Doch mit dem ersten (imaginären) Vorhang, der sich hebt, wird die Lage unberechenbar. Die Rede ist vom (schlechten) Wetter. Das Wetter kann nicht bestellt werden, es nimmt keine Rücksicht auf Freilichttheateraufführungen und so passiert, was immer passieren kann und dann eben auch nicht zu vermeiden ist: Regengüsse, Gewitter, schwarze Wolken und Hagelstürme lassen Aufführungen zur Zitterpartie werden.

So gut abgeschirmt, wie hier beim »Weißen Rössl«, sind die Akteure des Naturtheaters auf der Bühne nicht immer / Foto: privat

So gut abgeschirmt, wie hier beim »Weißen Rössl«, sind die Akteure des Naturtheaters auf der Bühne nicht immer / Foto: privat

In dieser Saison ist es wie verhext: Es gab bisher kaum eine Vorstellung im Wasenwald, die trocken blieb. Und immer wieder regnet es etwa zwei Stunden vor der Aufführung, genau dann, wenn die potenziellen Zuschauer sich entscheiden, ob sie aus dem Haus gehen. Keine Frage, was sie tun, wenn es wie aus Kübeln schüttet. Die Schauspieler wiederum haben keine Wahl, sie müssen auf die Bühne. Sie und ihre Kostüme werden nass. Das ist besonders bitter, wenn wie am Mittwoch letzter Woche zweimal gespielt wird. Das Ensemble des »Kleinen Vampirs« musste nach dem Mittagessen in die nassen Kostüme zurück, da half alles Föhnen nichts.

 

Bei einem Gewitter muss die Vorstellung unterbrochen werden, bis sich Blitz und Donner verzogen haben. Doch wenn absehbar ist, dass es sich einregnet, dass es ein Dauerregen wird, nutzt auch eine Pause nichts. Dies erfuhren die Darsteller von »Kiss me, Kate« zum wiederholten Mal am eigenen Leib. Da hilft auch keine Beschwörungsformel wie der Song »Es ist viel zu heiß«, bei dem sich die Männer ihrer Oberbekleidung entledigen – gegebenenfalls eben bei strömendem Regen.

 

Die Zuschauerhalle des Naturtheaters ist ihr Geld wert. Sie schützt das Publikum vor dem himmlischen Nass und – wie an diesem allen Reutlingern unvergesslichen 28. Juli 2013 – auch vor Hagelkörnern. (bm)




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