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Beim Hofball kommt man sich näher: Cinderella (Melanie Hageloch) und Prinz Johannes (Johannes Blattner) / Foto: Anstädt

Beim Hofball kommt man sich näher: Cinderella (Melanie Hageloch) und Prinz Johannes (Johannes Blattner) / Foto: Anstädt

05.07.2010 - Reutlinger General-Anzeiger

Kindertheater - Räuber, Geister und eine Fee im dritten Ausbildungslehrjahr: Das Reutlinger Naturtheater überzeugt mit seiner Musicalfassung "Cinderella"

 

Der Traum vom Glück

Von Andrea Anstädt


Was haben zwei Räuber, ein böser Geist, eine Fee im Prüfungsstress und viele kleine Feenkinder mit "Cinderella" beziehungsweise mit "Aschenputtel" zu tun? "Nichts", werden sowohl die Kenner des grimmschen Märchens wie auch der amerikanischen Weiterentwicklung Walt Disneys sagen. "Sehr viel", lautet hingegen wohl die Antwort der rund 600 Besucher am Freitagabend bei der Premiere von "Cinderella" im Reutlinger Naturtheater.

 

Eigene Fassung geschrieben

Denn Ambrogio Vinella, der erstmals Regie im Naturtheater führt, hat zusammen mit Alexander Reuter eine ganz eigene Musical-Fassung für die Reutlinger Aufführung geschrieben. Und in dieser Version finden sich Cinderella, ihre böse Stiefmutter und die gehässigen Stiefschwestern in guter Gesellschaft unter anderem von Räubern und Feen ? ohne dass dabei die Kerngeschichte, an der nicht gerüttelt wird, an Glanz verliert.

 

Im Gegenteil versprüht Rosalind (Sophia Seitz), ihres Zeichens Fee im dritten Ausbildungsjahr, von Beginn an Charme und verbindet die einzelnen Fäden der Geschichte zu einem stimmigen Ganzen. Auch die anderen Frauen-Darstellerinnen haben jederzeit ihre Figuren im Griff.

 

Melanie Hageloch gibt eine ebenso anmutige wie reizende Cinderella, Angela Sauter nimmt man die böse Stiefmutter gleich ab und Manuela Hansow und Frauke Rausenberger leben mit großer Spielfreude die Niedertracht der biestigen Stiefschwestern aus.

 

Prinz Johannes (Johannes Blattner) und Cinderellas Vater (Ulrich Heck) verblassen gegen diese geballte Frauen-Dominanz ein wenig, aber diese Zurückhaltung ist stückbedingt, denn den Männern sind in "Cinderella" nur Nebenrollen vorbehalten. In Reutlingen machen hier allerdings die von Regisseur Vinella hinzugedichteten Räuber Belch und Trommel (Carina Weber und Ana Zivkovic) eine Ausnahme, die mit ihrem fast schon an das Slapstick-Duo Laurel und Hardy erinnernden Körpereinsatz auf der Bühne für viele Lacher sorgen.

 

Flott gespielt, solide gesungen 

Flott gespielt und mit zahlreichen eingängigen und solide vorgetragenen Liedern bestückt, kommt Vinellas "Cinderella" insgesamt äußerst kurzweilig daher. Unterhaltung fürs Auge bieten zudem die prächtigen Kostüme, in die sich die insgesamt 35 Ensemble-Mitglieder hüllen durften.

 

Angestaubt ist in dieser Aufführung höchstens der böse Geist (Petra Glaunsinger), der bei jeder Bewegung zur Belustigung des Publikums eine dicke Staubwolke in den Abendhimmel entlässt. Am Ende belohnte entsprechend lang anhaltendes lautes Beifallklatschen die Schauspieler, die noch bis 21. August ihre "Cinderella" draußen im Wasenwald zeigen werden.




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